Donnerstag, 14. August 2014

27 und Schulbank? Wie geht das? [Zweiter Bildungsweg]

Der ein oder andere wird es mitbekommen haben, dass ich immer wieder von Schule spreche. Wer genauer hinsieht hat auch entdeckt, dass ich mich nicht mehr im schulpflichtigen Alter befinde, sondern eher im Gegenteil, mich schon lange in der Welt der Erwachsenen herumtreibe.
Dass das nicht ganz konform geht für Viele, das bemerke ich auch im Alltag immer wieder und deswegen kommt oft genug die Frage: "Wie, du gehst noch zur Schule?! Wie geht'n das mit 27?!"



Tja, das will ich euch gerne erklären. Das Zauberwort dafür nennt sich zweiter Bildungsweg und ist, wie der Name schon vermuten lässt, die Möglichkeit, Dinge, die nicht auf dem ersten Bildungsweg (nämlich der klassischen Schulkarriere die wir alle, zum Großteil, hinter uns haben) erworben wurden, nachzuholen.
In meinem Fall heißt das ganz faktisch, dass ich seit einem Jahr dabei bin mein Abitur nachzuholen.
Auf dem zweiten Bildungsweg lässt sich jeder Schulabschluss nachmachen, den man in Deutschland erwerben kann, vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur ist also alles drin.
Gewisse Vorraussetzungen muss man für alles mehr oder weniger erfüllen, aber das variiert auch von Bundesland zu Bundesland.

Wieso? Und wo geht sowas?
Ja, wieso macht man sowas? Die Frage ist relativ einfach zu beantworten. Wenn man aus irgendwelchen Gründen seine Schullaufbahn nicht so abschliessen konnte, wie man es wollte und sich später doch noch dazu entscheidet, dass es ganz gut gewesen, wenn man dies und jenes doch getan hätte.
So wars zumindest bei mir. Einen Seelenstrip lege ich hier trotzdem nicht hin, aber es soll zumindest soviel gesagt werden, dass ich meine Schullaufbahn nicht so abschliessen konnte, wie ich es (im Nachhinein) gerne getan hätte, weswegen ich mich vor zwei Jahren dazu entschied, dass nochmal Schule vielleicht gar keine so schlechte Idee wäre.
Klar, viele denken sicherlich: "Oh Gott, nochmal die Schulbank drücken? Wie äääätzend..." - Ja. und nein. Aber dazu später etwas mehr.
Vor zwei Jahren also? Japp. Wieso ich dann schreibe, dass ich seit dem letzten Jahr mein Abitur nachmache? Okay, zur Erläuterung:
Es war einmal eine kleine Cat. Die entschied sich im Mai 2012 dazu die Schulbank nochmal zu drücken (weil sie was gefunden hatte, was genau dem entsprach, was sie sich vorstellte) und meldete sich dann just für 2013 an. See? ;)

Jetzt aber wirklich mal zu dem Wo.
Seinen Abschluss nachmachen kann man an einigen Ecken. Wenn man über die Schulpflicht hinaus ist, fallen Sachen wie eine Berufsschule natürlich meistens weg, ausser man kommt von einer anderen Schule. Wenn man aber schon im Leben stand/steht und sich dann dazu entscheidet als Erwachsener nocheinmal zur Schule zu gehen, dann hat man die Option von der VHS (gemein hin bekannt als Volkshochschule), man sucht sich eine Abendrealschule oder ein Abendgymnasium oder man findet ein WBK, wie es bei mir der Fall war.
Ein WBK ist ein Weiterbildungskolleg. Kolleg ist hier das Stichwort, denn meine Schule hat sowohl einen Abendbereich, als auch einen Tagesbereich, das Kolleg.
Abendbereiche sind für Menschen gedacht, die ihren Abschluss neben der Arbeit erwerben wollen oder müssen und hat weniger Wochenstunden als das Kolleg. Denn viele sind nicht in der Lage ihren Job für zwei oder gar drei Jahre an den Nagel zu hängen. Der Tagesbereich ist jedoch das, worüber ich hier schreibe. Das Kolleg hat eine Wochenstundenzahl von +/- 30 Stunden + Heimarbeit (Hausaufhaben, lernen und so weiter) und ist Baföggefördert. Man ist Vollzeitstudierender und kann nebenbei einen Nebenjob machen, wenn man das unterbringen kann. Manche tun das und müssen es auch tun, weil man von dem landesweit geregelten Bafögsatz nicht reich wird, wenn man einen gewissen Lebensstandart hat, weil man einfach schon voll gearbeitet hat.

Es ist ein großes Thema, über das man viel schreiben kann, wie man sieht.
Aber eine wichtige Sache steht noch aus.

Und wie ist das dann so, wieder zur Schule zu gehen?
Tjoar... Eigentlich, irgendwie so wie früher auch. Und trotzdem ist es ganz anders. Ein wesentlicher Unterschied ist der, dass man sich (im Idealfall) mit den Lehrern auf Augenhöhe begegnet. Alles sind erwachsene Menschen (beispielsweise bewegt sich bei uns das Alter von 19 bis jenseits der 60, was die Schüler angeht) und alle haben andere Erfahrungen. Es ist deutlich entspannter, weil die meisten die dort sind, Lernen wollen und nicht da sind, weil Mama und Papa das gerne so hätten oder irgendein Gesetz das vorsieht. Aus dem gröbsten sind die Allermeisten raus und deswegen ist das Klima ein grundsätzlich anderes.
Ich für meinen Teil habe entdeckt, dass mein Kopf zu einigem fähig ist und auch wenn man sehr lange raus ist aus der Schule, kommt man doch recht zügig wieder rein in diesen Prozess des Lernens.
Etwas ganz wesentliches was mir im Vergleich zu meiner damaligen Schulzeit besonders aufgefallen ist, ist die Technik. Es wird unheimlich viel mit digitalen Medien gearbeitet. Es gibt bei uns keine  Kreidetafeln mehr, sondern Whiteboards, die gleichzeitig als Leinwand für den Beamer dient, mit dem jeder Klassenraum ausgestattet ist. Der Overheadprojektor ist ein fester Bestandteil des Schulalltags und jeder Klassenraum hat seinen eigenen PC. Es gibt bei mir an der Schule einen digitalen Vertreungsplan und überhaupt läuft sehr viel über das Internet ab.

Und wann machst du dein Abitur nun? Wie lange dauert das denn alles?
Ich werde, wenn alles glattgeht im Frühjahr 2016 mein Abitur machen.
Insgesamt war ich dann dreieinhalb Jahre an dem WBK, da ich vom Februar bis zum Sommer letzten Jahres einen Vorkurs besucht habe um in den Stoff reinzukommen. (Kann man machen, muss man nicht, wenn man die Vorraussetzungen alle erfüllt^^)
Je nach dem wo man sich also mit seinen Vorraussetzungen und seinem Bildungsstand befindet, kann man entweder die volle Schiene von 3-3,5 Jahren fahren, wie ich es mache, oder man kann auch als Quersteiger ins dritte Semester einsteigen.
 Vielleicht mal zur groben Übersicht:

  • Vorkurs: 1 Semester, von Februar bis zu den Sommerferien.
  • 1. + 2. Semester:  Einführungsphase
  • 3 - 6. Semester: Qualifikationsphase (Abiturkram und so)
Im Vorkurs bekommt man die Möglichkeit überhaupt erstmal wieder reinzukommen in das Prinzip Schule und füllt sein Wissen auf, stopft Lücken, eignet sich das Grundwissen an, auf welchem man ab dem ersten Semester aufbaut.
Im 1. und 2. Semester eignet man sich das Wissen an, auf dem man dann ab dem 3. Semester aufbaut und was man dann letztlich auch für das Abitur braucht.
Ab dem 3. Semester, also 3., 4., 5. und 6. Semester sind dann offiziell Abiturrelevant. Ab dem 3. Semester sammelt man Punkte für das Abitur und leitet damit quasi schon alles in die Wege.

Kompliziert? Eigentlich nicht. Nicht, wenn man sich früh genug damit befasst :)

Fazit? Und wo stehst du eigentlich genau?
Ich kann tatsächlich sagen, dass ich meine Schule sehr mag. Wir haben großartige Lehrer und einen ganz tollen Schulleiter der sehr an dem Wohl seiner Schüler interessiert ist und immer ein offenes Ohr für Belange aller Art hat. Das Klima ist sehr warm und zudem ist meine Schule ein Teil des SoR-Projekts. SoR bedeutet Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage. Das begrüße ich ohnehin sehr, da ich nunmal aus einer Gegend komme in der es viele Migranten gibt und leider auch von einem guten Freund weiß, wie böse Rassismus an Schulen aussehen kann. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Ich bin ein großer Fan meiner Schule und in Kürze steige ich dann ins 3. Semester ein, was für mich heißt, der Kampf ums Abi beginnt.
Ich würd lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte nicht irgendwie auch ein bisschen Bammel :D
Aber ich freu mich auch, dass es dann so richtig losgeht.
Für die, die es interessieren sollte, liegen meine beiden Leistungskurs in Deutsch und Englisch und meine Grundkurse in Französisch (Nur für das 3. Semester), Kunst, Bio, Geschichte, Psychologie, Philosphie, Mathe (Pflicht) und Pädagogik. Mal sehen wies wird. Religion habe ich abgewählt, weil ich mit dem Lehrer nicht mehr zurechtkam, dank Lehrerwechsel und Chemie... Nein, danke xD VWL, Informatik, Sport und Geographie wollte ich auch nicht und Soziologie ist auch nicht wirklich meins. Also... soviel dann mal dazu.

Wenn dus bis zum Ende geschafft hast, wartet hier ein imaginärer Lolli auf dich.





Kommentare:

  1. Yäy,imaginärer Lolli!! :D
    Nein, im Ernst: Find ich gut! Ich hab mein Abi zwar auf dem "ersten Bildungsweg" (klingt reichlich dämlich) gemacht, meine Schwerpunkte waren aber so ähnlich wie Deine: LK Deutsch, Englisch, Französisch, GK Bio, Geschichte, Mathe (Pflicht, aber ohne Abiklausur :3).
    Ich drück Dir die Daumen, aber das ist alles halb so wild und echt machbar ;)

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  2. Also ich find das klasse, dass du den zweiten Bildungsweg gewählt hast und so dein Abi nachmachst! Hut ab! Viele wären für so etwas zu faul. Ich wünsch dir alles Gute dafür! :)
    Liebe Grüße,
    Evelyne

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