Freitag, 6. Februar 2015

Appell an mich selbst. Oder wie ich das dritte Semester überstand.

Zugegeben, meine Ansprüche an mich selbst sind manchmal unheimlich hoch. Dazu bin ich ein Typ, der zu Panik neigt und manchmal auch dazu, alles etwas zu dramatisieren. Hey, ich bin bekennender Pessimist, ich seh lieber alles erstmal schwarz (ist immerhin hübsch) und freu mich, wenns noch klappt, als dass ich mir Hoffnungen mache und es dann doch nicht klappt und ich enttäuscht bin.
(Letzteres passiert manchmal trotzdem ;))
Die Schule ist mein Großprojekt für mich allein. Abitur nachholen, ihr wisst schon. Der letzte Post zum Thema Schule ist schon eine kleine Weile her und eigentlich hatte ich gar nicht vor daraus eine Reihe zu machen, aber ich dachte, nach meiner absoluten Glanzleistung in diesem Semester *hust* wärs nochmal Zeit für sowas.


Vorweg kann ich getrost sagen: Das dritte Semester ist ein Arsch. Ja, ein Arsch. Der Sprung vom zweiten ins dritte Semester ist irgendwie doch recht groß, weil sich sehr viel ändert.
War man im 1. und 2. Semester noch irgendwie im Welpenschutz, wird man im dritten Semester einfach mal mit Schmackes in den zugefrorenen See geschubst.
Alles was man tut, zählt fürs Abitur. Jede Note, ob schriftlich oder mündlich. Der Druck ist also gar nicht so klein, zumindest nicht, wenn einem nicht alles egal ist. Davon haben wir auch so manchen Kandidaten bei uns an der Schule. Die sind da um die Kohle abzugreifen die man bekommt und der Rest interessiert knapp ein Achtel. Der Lebensplan dieser armen Kreaturen ist dann, wenn überhaupt, studieren auf Lebenszeit und niemals arbeiten zu müssen, sich irgendwie durchzuschlagen mit Geld vom Staat. Nun. Jedem das Seine, meins ist das ja nicht.
Das dritte Semester ist im Vergleich zum zweiten deutlich anders.
Der Unterricht ist komplett in Kursen organisiert. Man hängt mit, anfangs fremden, Leuten zusammen, eine Kursdynamik muss sich erst finden und häufig entscheiden die ersten paar Wochen über positive oder negative Kursenergie.

Dieses Semester war ein Desaster. Nicht nur für mich, sondern für die gesamte Stufe. Die Fehlzeiten waren immens hoch, die Mitarbeit allgemein sehr schwach. Keine Hausaufgaben, keine Meldungen, keine Bereitschaft zu irgendwas.
Das ist für jemanden wie mich, der sich der Notwendigkeit der Mitarbeit bewusst ist, gar nicht so einfach, denn wenn die gesamte Dynamik schlecht ist, eine negative Atmosphäre herrscht und irgendwann sogar die Lehrer jegliche Motivation und jegliche Lust verlieren und darüber schlechte Laune bekommen, die bei jeder Gelegenheit an den Schülern ausgelassen wird, macht das ganze wirklich keinen Spaß.
So wars bei uns. Und das betraf nicht nur meine Leistungskurse, sondern auch die meisten meiner Grundkurse. Das ist frustierend und nervig.
Und wenn man irgendwann selbst zu dem jenigen wird, der auf des Lehrers Zielscheibe landet, auch ohne Grund, dann machts das nicht einfacher.

Ich habe in diesem Semester, gerade im zweiten Quartal, eine sehr hohe Fehlrate entwickelt. Oft keine Lust gehabt, mir gings häufiger nicht besonders gut und ich fühlte mich bei dem Gedanken schonwieder in dieses Tollhaus zu müssen sehr unwohl. Meine Mitarbeit sank ziemlich, damit auch die Noten.
Die Klausurphase war ein Spiegel für meine hohen Fehlzeiten und zeigten deutlich, dass ich viel zu viel im Unterricht verpasst hatte, so taten das auch die Noten der Klausuren.
Ich bin mir allerdings im Klaren darüber, dass ich das ganz allein selbst zu verantworten habe. Ausnahme stellt da vielleicht Biologie dar, da wir nicht viel ändern können, an einer Unterrichtsweise, eines nicht kritikfähigen Lehrers, der der Ansicht ist, er sei nicht dazu da uns das so lange beizubringen, bis wir den Stoff verstanden haben... Darüber könnten wir jetzt natürlich eine Diskussion führen... Tun dies aber nicht.

Meine Noten sind in diesem Semester gefallen. Rapide sogar. In einigen Fächern sehr stark, in anderen nur etwas. Dass ich in den Klausuren wie Geschichte und Psychologie trotz enormer Fehlzeiten im Unterricht immerhin noch im Dreierbereich (was mir nicht genügt) lag, lag auch nur daran, dass ich Texte schreiben kann und mir im Notfall immer noch irgendwas aus der Nase ziehen kann um es hinzuschmieren, was nach Inhalt aussieht, aber letztlich nichts hergibt.
Letztlich bin ich im dritten Semester bei drei Defiziten angelangt, wovon eines nicht zählt, denn das war Französisch und hat trotzdem noch gerade so für den verdammten Nachweis gereicht, den ich für die Zulassung zum Abitur brauche.

Lange Rede, kurzer Sinn: Es war scheiße.
Das schlimme daran: Ich weiß es und habe im Nachhinein ein sehr schlechtes Gewissen. Mir gegenüber, meinen Lehrern gegenüber, die viel von mir halten und meiner Banknachbarin gegenüber, die so manche ätzende Stunde ohne mich bestreiten musste, was auf der anderen Seite ihr Glück war, denn hätte sie sich von meiner Lustlosigkeit im selben Maße anstecken lassen, so sähen ihre Noten meinen sicherlich ähnlich.
Trotzdem sind wir uns einig: Es kann nur besser werden.
Nein. Es muss besser werden.

Ich steige ins vierte Semester ein. In einem Jahr mache ich Abitur. In einem Jahr. Zwei Jahre bin ich schon vor Ort. Unfassbar. Die Zeit rennt so schnell, dass man kaum Luft holen kann.
Meine Noten müssen steigen, die Erwartungen sind hoch. Immernoch. Ich sehe nicht ein meine Träume an den Nagel zu hängen, weil ich mich habe gehen lassen. Nö. Noch kann ich alles retten.
2015 steht für mich, wie es bisher aussieht, im Namen der Veränderung. Wieso dann nicht auch direkt mal die Arbeitsmoral ändern und endlich den Hintern zusammenkneifen und zusehen, dass ich das gewuppt bekomme, wie es mir ursprünglich vorgestellt habe? Richtig. Es gibt kein "wieso nicht".

Viertes Semester, ich komme.


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