Mittwoch, 11. November 2015

Finally: Das neue Wohnzimmer [Interior]

Es ist geschafft! Und ich verlange einen Orden für all die überstandenen Strapazen, die für immer verlorenen Nerven und wortwörtlich auch für die ertragenen Schmerzen.

Ich glaube wir hatten uns dieses Projekt vorab beide nicht derart anstrengend vorgestellt. Ist ja immerhin bloß ein Raum. Aber auch ein Raum kann einen gut in den Wahnsinn treiben. Vor allem dann, wenn man sich ein Konzept dafür ausgesucht hat, das sich beliebig mit irgendwelchem Unsinn erweitern lässt.


Wir sind beide große Fans vom Industrial Design, von Sheesham Holz und von Petrol und wollten das alles irgendwie möglichst stimmig in einem Raum unterbringen. Der leicht steampunkig angehauchte Kupfer-Trend der letzten ein oder zwei Jahre, samt Edison Glühbirnen und und und kam uns da sehr zu Gute. Andernfalls wäre es wohl bei so manchem Teil echt schwer geworden, eine Lösung dafür zu finden. Dass es spätestens seit diesem Jahr auch noch obendrein alles in Petrol gibt war auch nicht unbedingt schlecht.


Für eine Couch in Petrol hat es dann allerdings trotzdem nicht gereicht. Nicht, dass es keine Auswahl gegeben hätte, aber die Stoffmuster haben uns einfach nicht gefallen. Unseren Willen haben wir dann auf andere Weise bekommen. Petrol farbene Kissen und ein passender Teppich.


Aber fangen wir mal von vorne an... Ende April erreichte uns die Nachricht, dass unsere Möbel früher eintreffen sollten als geplant, also gerieten wir mit unseren Renovierungsarbeiten ein wenig unter Druck. Wie auch schon im Schlafzimmer und in den Badezimmern wollten wir die Tapete wegen Schimmelbildung entfernen. Die große Wand sollte dann einen Anstrich mit Rostfarbe bekommen. Allerdings ist eben diese Wand, weil sie zur Nachbarwohnung angrenzt, aus Schallschutzgründen nochmal mit einer Gipskartonwand abgestellt. Diese sollte natürlich bleiben. Die Recherche im Internet stimmte uns wenig optimistisch, denn eine Papiertapete von einer Pappwand zu bekommen ist... naja als würde man versuchen, zwei aneinandergeklebte Buchseiten voneinander zu trennen, ohne dabei beide Seiten komplett zu zerstören. Etwas Mühseligeres kann man sich kaum vorstellen. So vorsichtig wie möglich haben wir die Tapete eingeweicht und dann Fitzel für Fitzel abgerupft oder abgeschabt. Ich hatte Blasen an den Händen... ganz ernsthaft. Immerhin wurden wir für unsere Mühen als Amateurmaler mit einer absolutgenialmegaobergeilen Rostwand belohnt. Nachdem ich den roten Vorgänger nach fünf Jahren abgrundtief gehasst habe, liebe ich den rostfarbenen Nachfolger jetzt dafür umso mehr. Und ist auch viel besser geworden als vorab gedacht.



Die Odyssee mit den Möbeln kann wer will noch einmal hier nachlesen. Damit belästige ich euch nicht noch ein zweites Mal. ;)

Der Rest war gegen die Renovierungsarbeiten fast easy... aber nur fast.

Nachdem ich auf einem amerikanischen Blog darüber gestolpert war, wollten wir statt normaler Gardinenstangen unbedingt Gardinenstangen aus Heizungsrohr. Gut, wenn man einen Klempner in der Familie hat... Schlecht, wenn der 500km entfernt ist. Zwar konnte mein Bruder uns mit den, für den Normalo schwer auftreibbaren, Teilen (Flansche... die runden Dinger an der Wand) versorgen, aber an die Wand bringen mussten wir die ganze Konstruktion selber. Immerhin haben mein Bruder und ich bei der letzten Familienfeier noch einen Plan dafür entwickeln und aufzeichnen können. So richtig einfach wars allerdings trotzdem nicht für zwei Ahnungslose, die noch nie mit Heizungsrohren zu tun hatten. Geschafft haben wirs trotzdem. Die erste Reaktion meines Bruders, als ich ihm stolz ein paar Bilder unserer Konstruktion geschickt habe, was übrigens: "Warum habt ihr die Flansche schief aufgehängt?" Tja... weil das Mauerwerk überm Fenster die Konsistenz von Sandkuchen hat. Da dachten wir uns, bevor es aussieht wie gewollt und nicht gekonnt hängen wir die Dinger lieber so auf, dass sie absichtlich schief und krumm sind.




Der nächste Kampf war die Deckenlampe. Passende Lampen zu finden ist ja schon immer ein Ding der Unmöglichkeit. Wir hatten erst nach drei Jahren in allen Räumen eine richtige Lampe. In diesem Fall waren die passenden Lampen relativ schnell gefunden, wenn auch nicht unbedingt auf dem einfachsten und schnellsten Weg. Die größere Herausforderung war da, die Deckenlampe auch an die Decke zu kriegen. Allerdings ist das wohl eher den schwülen 33 Grad an diesem Tag zuzuschreiben als der Lampe ansich. Mit schwitzigen Fingern Kabel irgendwo einzufädeln, während einem so warm ist, dass einem schon beim Versuch, den Schraubenzieher präzise zu bewegen vor Anstrengung die Hände zittern... ne... einfach ne. Gute 40 Minuten haben wir gebraucht, um die Lampe an die Decke zu kriegen. Heruntergefallene Schräubchen unterm Schrank suchen inklusive.

Unsere Couch bietet den Luxus, elektrisch ausfahrbar zu sein. Nix mit umständlich ausziehen und umklappen und weiß der Geier, sondern einfach ein Knöpfchen drücken und schon wird aus der ohnehin ordentlichen Sitztiefe eine ausreichende Liegefläche. Blöd nur, wenn einem dann ständig ein Couchtisch im Weg steht. Nachdem uns unser Glastisch in seiner ursprünglichen Form zu den neuen Möbeln sowieso nicht mehr wirklich gefällt soll spätestens nächstes Jahr ein Tisch mit Rollen her. Momentan tendieren wir dabei dazu, einen selbst zu bauen. Über den genauen Plan sind wir uns allerdings noch nicht ganz einig. Wenn es soweit ist gibts darüber vielleicht nochmal einen extra Post.

Was die Deko anbelangt passen einige Stücke nach der Renovierung besser ins Konzept als zuvor. Meine schöne Schildkrötenlampe aus meinem Jugendzimmer zum Beispiel oder das große Bild überm Sideboard oder die geschnitzte Holzplatte auf der Vitrine. Als hätten wir vor fünf Jahren schon geahnt, wie unser Wohnzimmer einmal aussehen würde. Ein Hingucker ist natürlich auch die Designlampe in der Ecke. In London bestellt, aber wahrscheinlich in China gefertigt. Somit dauerte die Lieferung länger als die Herstellung. Zwischenzeitlich war ich schon skeptisch, ob da überhaupt eine Lampe bei uns ankommt oder ob knapp 200 Euro einfach irgendwo im Ausland versickern.




Abschließend kann man sagen: Unser Wohnzimmer ist plötzlich erwachsen geworden und wo bislang das Schlafzimmer mein Lieblingsraum war, was den Style angeht, ist jetzt das Wohnzimmer auf Platz 1 gerückt. Jeden Abend, wenn ich auf der Couch sitze, und mich so umsehe denke ich wieder, dass uns der Raum echt gut gelungen ist. Insofern wars all das Blut, den Schweiß und die Tränen wert.





Kommentare:

  1. Wow, Respekt! Man unterschätzt den Aufwand für sowas immer so sehr - vor allem, wenn man eben nicht vom Fach ist, dauert das Ganze doch erheblich länger als die Aussage "Es ist ja nur 1 Raum" vermuten ließe :D (ich spreche aus leidvoller Erfahrung ;) )
    Vom Stil her ist das Industrial Design zwar nicht so meins, aber ich find's toll, wie ihr jetzt alles stimmig hinbekommen habt. So Elemente wie die schwarz-goldene Lampe z.B. gefallen mir super und ich überlege schon die ganze Zeit, wie ich das selber günstig hinbekäme bzw. wo ich so eine Lampe dann überhaupt einbauen würde :D

    Bei uns steht auch als nächstes das Wohnzimmer an, aber das muss noch warten, bis ich wieder Zeit habe :(

    Liebe Grüße
    Nathalie

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    1. Ja da tauchen gerne mal Probleme auf, sie man sich vorher gar nicht hätte vorstellen können.

      Die Lampe ist in natura von außen sogar rostfarben. Daher musste ich sie auch im Ausland bestellen, weil ich hierzulande nur schwarze finden konnte.

      Was dürfte so eine Lampe denn kosten? Ich befürchte fast, dass man mit all den Teilen, die man zum selber bauen besorgen müsste auch schnell recht teuer raus kommt. Nachdem ich zuerst keine passende Lampe finden konnte dachte ich auch dran, sie selber zu basteln. Bei Ikea gab es Deckenlampen, die mit etwas Lack vielleicht ähnlich ausgesehen hätten wie die große Schale.

      Es gibt diese Lampen übrigens auch als Tischleuchten. Falls ihr nicht den Platz für eine große Stehlampe habt.

      Ja das mit der Zeit ist es eben. Wir haben dafür halt unseren Jahresurlaub geopfert. Anders hätten wir das nicht geschafft.

      Freut mich jedenfalls, dass es dir gefällt. Und ich bin endlich meiner Pflicht nachgekommen. ^^ Jetzt müssen wir nächstes Jahr nur noch den Tisch bauen.

      LG

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  2. Ihr renoviert echt an allen Ecken und Enden. Die Bilder sehen aus wie bei "Schöner Wohnen". Echt total stimmig. Und die Wand....der Hammer!!! Ich find ja deine Deko auch total geil.

    LG dein Cousinchen

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    1. Danke... ^^
      Von "Schöner Wohnen" hätte es auch Rostfarbe gegeben, aber die war nicht so schön.
      Tja... müsst ihr halt so mal vorbei kommen, nachdem es im Dezember nicht klappt, dann siehst dus in echt. ;)

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