Montag, 20. März 2017

Eine Woche im Irrenhaus - Deutschland 2017

Allmählich muss ich mir diesen Wahnsinn irgendwo von der Seele schreiben. Geht es euch nicht langsam auch so?
Nicht nur, dass die Welt politisch und wirtschaftlich mehr und mehr am Rad zu drehen scheint, auch wenn man diese beiden großen Felder außer Acht lässt und sich nur auf Deutschland konzentriert, fragt man sich, was eigentlich los ist.

Letzte Woche der Doppelmord in Herne war etwas, das einen ziemlich fassungslos zurückgelassen hat. Doch auf die Horrormeldung am Montag folgten die ganze Woche über immer weitere, nicht unähnliche Meldungen.
Axtangriff in Düsseldorf, Machetenangriff in Düsseldorf, zu guter Letzt Terrorwarnung in Essen und und und.
Man hat das Gefühl, der nahende Frühling bekommt einigen nicht und ganz Deutschland dreht durch.

Meine Hoffnung war, dass es diese Woche unmöglich so weiter gehen könnte. Aber 2017 bemüht sich redlich, dem berüchtigten Jahr 2016 ein würdiger Nachfolger zu werden.

Fassen wir den Wahnsinn der Woche doch einmal zusammen. Wie gesagt... keine Politik, keine Wirtschaft, keine Flüchtlingskrise etc. Der Stand der Dinge immer vom jeweiligen Tag. Das heißt, zum Zeitpunkt der Postveröffentlichung können in einigen Fällen bereits mehr Informationen öffentlich sein:

Montag:


Eine 15-Jährige wurde am Sonntagnachmittag in Düsseldorf in einer stillgelegten Papierfabrik ermordet aufgefunden. Ihr 16-jähriger Freund wird wenig später am Tatort festgenommen und hat die Tat inzwischen gestanden.

In Gütersloh hat ein Mann zwei Bedienstete der Kreisverwaltung mit einem Messer attackiert.

Eine Messerattacke auf vier Passanten in Rheinland-Pfalz am Sonntagabend.

Aufgrund einer Bombendrohung blieb der Kaufhof/Saturn in Gelsenkirchen am Morgen vorerst geschlossen.

In Ibbenbüren wurde am Wochenende ein älterer Mann an einer Tankstelle von einem der Beteiligten überfahren, nachdem er versucht hatte, einen Streit zwischen jüngeren Männern zu schlichten.

Dienstag:


Ein 19-Jähriger attackierte in einem Zug andere Passagiere. Eine Frau wurde niedergeschlagen, eine zweite Frau gebissen. Die anschließende Festnahme verlief auch nicht friedlich.

Auf offener Straße wurde in Düren ein junger Mann lebensgefährlich verletzt. Ein Unbekannter hat mit einem Samurai-Schwert auf ihn eingestochen.

In Essen wurde am Montagabend ein Jogger niedergestochen, als er einer Frau zu Hilfe eilte, die von zwei Angreifern bedrängt wurde.

Mittwoch:


In Weimar wurde ein 18-Jähriger vermutlich auf offener Straße aus bisher unbekannten Gründen am Dienstagabend getötet. Der Täter stellte sich.

In Kiel wurde am Morgen eine Frau ebenfalls auf offener Straße getötet. Ihr 40-jähriger in Trennung lebender Ehemann wurde unweit des Tatorts festgenommen.

Donnerstag:


Am Mittwochabend haben sieben Unbekannte (vermutlich Hooligans) in Rostock drei Syrer angegriffen.

Eine Sparkasse in Duisburg wurde am Morgen überfallen. Der Polizeieinsatz konnte unblutig beendet werden. Eine gefesselte Geisel wurde befreit und zwei Tatverdächtige festgenommen.

Im Ruhrgebiet kurvte am Mittwoch ein Mann mit seinem Fahrrad auf der A52 herum. Sein Sozius/Beifahrer, ein Plüschpanther. Beide waren maskiert. Als der Mann von der Polizei angehalten wurde, floh er zu Fuß über ein Feld und richtete wenig später einen Gegenstand aus seiner Tasche auf die Polizisten. Da diese eine Waffe befürchteten, gaben sie einen Schuss auf den Mann ab und verletzten ihn - jedoch nicht lebensgefährlich. (Also immerhin eine irre Aktion, bei der man mal schmunzeln konnte)

In Bremen mussten zwei Mitarbeiterinnen einer Flüchtlingsunterkunft ins Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem sie von einem jugendlichen Bewohner des Heims einen Kuchen mit Cannabis bekommen hatten. Eine der beiden Frauen schwebt in Lebensgefahr.

Freitag:


Am Donnerstagabend überrollte ein 42-Jähriger in Augsburg nach einem Streit seine auf einem Gehweg laufende Ex-Freundin bei dem Versuch, ihr mit dem Auto den Weg abzuschneiden. Beide waren stark alkoholisiert und die Frau musste am Bein notoperiert werden.

In Fürnbach hat in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ein Mann seine Freundin in der gemeinsamen Wohnung erstochen.

Samstag:


Am Freitagabend brach in einer Wohnung in Berlin ein Feuer aus. Die Feuerwehr fand in der Wohnung die Leiche einer Frau. Wie inzwischen bekannt ist, starb die Frau nicht durch das Feuer, sondern wurde zuvor erstochen. Man geht bei dem Brand daher von einer Verdeckungstat aus.

Sonntag:


In Hildburghausen hat am Samstagabend ein Mann seine Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung mit einem Messer lebensgefährlich verletzt.


Es scheint, als wäre es zum Wochenende ruhiger geworden. Das kann aber auch täuschen, da ich am Wochenende nur sehr wenig Gelegenheit hatte, die Nachrichten zu verfolgen. Aber auch von Freitag bis Sonntag gab es jeden Tag mindestens eine schockierende Nachricht, wie man sie gefühlt bis vor Kurzem höchstens zwei oder drei Mal im Monat gelesen hat.

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber ich habe langsam den Eindruck, es wird immer schlimmer. War doch früher nicht so, oder? Und derartige Taten sind nun auch nicht so unbedeutend, dass sie früher einfach nur nicht in den Nachrichten gelandet wären oder allenfalls im Lokalteil der betroffenen Region. Es geht hier immerhin um wirkliche Gewalttaten bis hin zu Morden.








Kommentare:

  1. Nein. Früher war das NICHT so, das empfinde ich genauso. Ich gucke morgens immer beim Frühstück eine Weile Frühstücksfernsehen. Als ich neulich mal wieder einschaltete und irgendeine Horrornachricht kam, kann ich mich erinnern, dass ich auch gedachte hatte, meine Güte, irgendwie ist JEDEN Tag was, wirklich jeden.

    Ich finde für vieles keine Worte mehr und manche Gräueltaten sind auch so schlimm, dass man da niemals Worte für finden wird. Auch diese Gerichtsverhandlungen, in denen dann die Prozesse über dieses Horrorhaus in Höxter laufen..die unbeteiligten Gesichter dieses Ehepaares. Ich sage mir dann immer, die sind krank..aber ob man sich das wirklich so einfach machen darf? Vermutlich nicht.

    Erst heute habe ich mich richtig aufgeregt über einen Mann, der bei dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin sog. Ersthelfer war, aber selbst zu Schaden kam gleichzeitig. Seine notwendigen Spritzen und Therapie, die er zur Wiederherstellung seiner eigenen Gesundheit bräuchte, übernimmt seine Kasse nicht und selbst kann er sie sich nicht leisten, weil er seinen Job nicht mehr ausüben kann oder sie hätte sowieso nicht zahlen können, weiß es gerade nimmer mehr. Es wird nicht bezahlt, weil er nur in seiner Funktion als Ersthelfer versichert sei, sein eigener erlittener Schaden sei insofern nicht versichert. Das ist doch unfassbar. Was soll man dazu sagen?

    Manchmal merke ich, dass ich die ganzen schlimmen Nachrichten, egal, um was es geht, links rein und rechts wieder rauslassen aus meinen Ohren. Ich kann das manchmal einfach nicht mehr ertragen. Sicher ziehe ich mir nicht jedes Leid auf meine Schultern, das darf man auch nicht, aber unsere Welt ist nicht mehr schön...es passieren so viele Dinge, die einfach nicht in Ordnung sind und da ich ja schon über 50 Jahre auf dieser Welt verweile: Sicher war früher nicht alles besser oder es gab vieles nicht - doch, es gab auch schon viele schlimme Dinge, aber nie kamen sie mir so geballt vor, in so einer Häufigkeit wie in diesen Zeiten. Kaum ein Tag vergeht mehr, ohne Leid, Elend, Gewalt, Folter, Bedrohung, Erpressung - beliebig fortsetzbar, diese Liste. Ganz, ganz schlimm. Schön, dass Du darauf aufmerksam gemacht hast. Ab und zu müssen die Sinne wieder dafür geschärft werden, was alles schief läuft und wie viel Glück man - gemessen an diesen krassen Dingen - selbst hat.

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    1. Ich hätte auch nicht gedacht, wirklich an jedem Tag der Woche etwas zusammen zu bekommen, das ich in diesem Post niederschreiben kann. Hatte mir vorher nicht vorstellen können, dass das wirklich sein kann. Jeden Tag... und diese Woche scheint es ganz ähnlich weiter zu gehen.

      Aber Hauptsache wir bekommen passend dazu auch täglich vorgelogen, dass alles in bester Ordnung ist. Kriminalitätsraten rückläufig usw. Wie kann das denn sein, wenn die Schreckensmeldungen gleichzeitig immer mehr zu werden scheinen.

      Dass unser Bürokratiewahn an vielen Stellen unmenschliche Züge annimmt ist leider nichts Neues, nur finden diese bürokratischen Stellen immer wieder Wege, sich selbst zu übertreffen. Unmöglich fand ich auch, dass die Angehörigen der Anschlagsopfer als erste Reaktion unseres Staates die Rechnungen für die Obduktionen bekommen haben.

      Man will diese Nachrichten langsam wirklich nicht mehr hören, sehen oder lesen. Zusammen mit allem, was ich in diesem Post bewusst ausgeklammert habe, ist es einfach zuviel. Überall geht es den Bach runter. Und irgendwie stumpft man selber dabei ab. Geht auch nicht anders, sonst würde man an dem, was zur Zeit ständig um uns herum passiert einfach verzweifeln.

      Danke für deinen Kommentar. Ich bin froh, dass es nicht nur mir so geht. Ich habe von News momentan echt die Schnauze voll. Aber sich nicht informieren macht eben auch nichts ungeschehen.

      LG
      Pingu

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    2. Richtig, diese Woche geht es weiter, ist ja schon fast "normal". So normal, dass ich manchmal bei ganz normalen Nachrichten denke, ach, was für ein Scheiß....man setzt wirklich ganz gewöhnliche Dinge schon damit ins Verhältnis. Manchmal finde ich ja auch die Übergänge von den schlimmen zu den banalen Berichten im TV richtig krass, aber so ist das Leben (leider). Man stumpft wirklich ab, da man sich auch kaum entscheiden kann, was schlimmer ist, denn alles ist schlimm, auf seine Art. Auch bei den Spendenaktionen ständig..man möchte Gutes tun, etwas geben, aber man weiß nie wo..spendet man für eine kranke Person, die eine OP braucht und öffentlich "sammelt", sieht man zig andere, die auch diese Hilfe brauchen..irgendwie ist man ständig gefordert, entweder alles zu fressen, was die Welt einem präsentiert oder zu sagen, ich klammere mich aus, und dann kommt prompt bald das schlechte Gewissen. Ich gucke übrigens die Nachrichten jetzt nicht mehr so intensiv wie früher, mache anderes dabei, das reicht mir völlig. Früher haben mich so negative Dinge oft noch den ganzen Tag oder gar Tage später begleitet, das geht auch nicht mehr. Man macht sich ja verrückt und ändern kann man selbst nichts. Ich wünsche Dir noch eine angenehme Restwoche. Liebe Grüße

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  2. DAs ging mir schon 2016 und wahrscheinlich ist ein Ende nicht in Sicht. Ich frage mich täglich was mit den Menschen los ist!?
    Gehts uns zu gut? Zu schlecht jedenfalls nicht...da haben wir in Deutschland wirklich noch Glück.
    Ich denke oft darüber nach was noch so passieren könnte, aber besser ist ich lasse das... :(

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    1. Man hat ja keinen richtigen Vergleich zu anderen Ländern. Das was hier passiert kann man schwer in Relation zu den Geschehnissen in anderen Ländern stellen.
      Ich habe das Gefühl, wir nähern uns einer Art Grundwert... dem weltlichen Durchschnitt.
      Es gibt ja durchaus Länder, in denen Ereignisse wie die oben keine Meldung wert wären, weil zu viel Derartiges passiert. Vielleicht gleicht sich das alles nach und nach an. Zu hoffen wäre das allerdings nicht, wenn ich da an die Zustände vieler Länder denke und was dort täglich so ab geht.
      Irgendetwas verändert sich aktuell jedenfalls zum Schlechteren.

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  3. Ja, mir geht es ähnlich... Die Menschen werden immer skrupelloser und bescheuerter >.<

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  4. Keine Ahnung ob es wirklich mehr geworden ist oder dies nur ein Gefühl ist. Gewalttaten und Morde gab es schon immer.... und wird es auch immer geben. Leider.

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